Wallis - Geschrieben am Donnerstag, September 1, 2016 6:44 von Franco - 0 Kommentare

Bergwanderung Gornergrat – Monte Rosa Hütte – Riffelsee

1.9.16

Alle Fotos zu dieser Tour unter diesem Link ersichtlich:
Bergwanderung Zermatt – Gornergrat – Monte Rosa Hütte – Riffelsee – Zermatt

Tag I
Mit dem Auto bis nach Täsch. dort sind wir in den Zug umgestiegen und
fuhren hinauf nach Zermatt.
Zermatt
Direkt neben dem Bahnhof von Zermatt befindet sich die Talstation der
Gornergratbahn.
Gornergratbahn
Mit der berühmten Zahnradbahn fahren wir hinauf auf den Gornergrat
3090 m.ü.M. Schon die Fahrt war ein gigantisches Spektakel, was aber
uns auf dem Gornergrat empfing war einfach überwältigend. Der Gorner-
grat ist der berühmteste und meistbesuchte Aussichtspunkt der Alpen,
und bietet ein einzigartiges Panorama in die Viertausender-Runde von
Zermatt. Der Gornergrat befindet sich zwischen dem Gornergletscher und
dem Findelgletscher und bietet eine Sicht auf 29 Viertausender, darunter
den Monte Rosa, das Matterhorn, die Zwillinge und den Liskamm.
Vom obersten ummauerten Bereich der Endstation auf dem Gornergrat
leicht absteigend geht es Östlich in kurzer Zeit zur Weggabelung bei Punkt
3095 m.ü.M., wo der Abstieg nach Süden beginnt. Ein paar wenige Schritte
bis zu dieser Wegmarkierung reichten schon aus, um aus dem Trubel wo
auf dem Gornergrat herrscht, zu entfliehen.
Unsere heutige Wanderung wird uns zur Monte Rosa Hütte führen.
Die Hütte steht am Fusse des Monte Rosa Massivs, am Orte “Untere Plattje”.
Sie dominiert den Gornergletscher benannt nach dem Gornergrat. Auf der
linken Seite findet man die Zwillinge (Castor und Pollux), das Breithorn
sowie gleich gegenüber die majestätische Wand des Matterhorns.
In vielen Kehren verlieren wir vor riesiger Kulisse rasch an Höhe. Eindrucks-
voll vereinigen sich – von hier oben gut ersichtlich – Gorner- und Grenzglet-
scher. Südöstlich ist die Monte Rosa Hütte gut zu erkennen. Wir überwinden
eine leichte Felspassage und erreichen die Wegkreuzung bei Punkt 2695 m.
Hier stösst von rechts der Wanderweg von Rotenboden hinzu. Wir biegen
links ab und wandern über den breiten einfachen Wanderweg, rechtsseitig
des Gornergletscher über Punkt 2658 m.ü.M. zu Punkt 2649 m.ü.M. weiter
ostwärts. Nun etwas steiler bergab durch die zunehmend felsigeren Hänge,
folgt bald die erste Schlüsselstelle für all jene, die nicht ganz schwindelfrei
sind: eine lange Leiter, die über einen senkrechten Felsabsatz hinab zu einem
der Bäche führt, die dem Gornergletscher entspringen. Farbmarkierungen
weisen nun die Richtung für den Gletscherzustieg. Wir erreichen den Über-
gang vom Fels auf das ewige Eis. Der nun vor uns stehende Teil der Wande-
rung verändert sich von Jahr zu Jahr, da der Gletscher ständig in Bewegung
ist und der Übergang sich immer anders gestaltet. Die Begehung des Glet-
schers zur Hütte erfordert eine gewisse alpine Erfahrung. Da sich der Gorner-
gletscher ständig zurückzieht befindet sich nun (Stand 2016) zwischen der
Felswand und dem Gletscher eine ca. 20m breite Spalte. Über diesen Abg-
rund wurde eine Brücke hingestellt. Eine Brücke ist aber in diesem Fall ein
bisschen hochgegriffen. Es ist eine – zwar sehr robuste-, aber eher schmale
Holzlatte. Da auf der anderen Seite der Gletscher steil in die Höhe zieht, ist
es notwendig schon auf dieser Seite die Steigeisen anzuziehen. Ohne Steig-
eisen ist es auf der anderen Seite nicht möglich auf den Gletscher hinauf
zu laufen. Als wir dies sahen, dachten wir zuerst, wieso um Herrgotts willen
wurde kein besserer Übergang hingestellt. Als wir aber die Touristen sahen
die vor dieser kleinen Brücke standen und nicht weiter wussten, war es für
uns klar. Hier trennt sich der Spreu vom Weizen. Wer die notwendige Erfah-
rung und Utensilien nicht dabei hat, kehrt hier um. Vermutlich wird dies mit
diesem abenteuerlichem Übergang bezweckt. Es sollen nur die Leute auf dem
Gletscher gelangen die auch wissen was sie tun. Mit den Steigeisen an den
Wanderschuhen nehmen wir die Überquerung dieser kleinen Schlucht in An-
griff. Absolute Schwindelfreiheit ist hier nötig. Das laufen mit den Steigeisen
über dieses schmale Holzbrett treibt einem das Adrenalin in den Körper.
Schritt um Schritt nähern wir uns dem Gletscher. Auf der anderen Seite der
“Brücke” sind wir froh Steigeisen dabei zu haben. Ohne Steigeisen wäre es
nicht möglich auf den flacheren Teil des Gletschers zu gelangen. Zu steil ist
hier der Gornergletscher.
Einmal auf dem Gletscher, beginnt nun die Querung der Zunge des Gorner-
gletschers, die in mehr oder weniger südlicher Richtung zum Fuss des Sporns
führt, auf dem die Monte Rosa Hütte steht. Auf dem Gletscher ist die Route
mit blau-weiss markierten Dreibeinen aus Metall gekennzeichnet. Die Über-
gange auf den Gornergletscher sowie die Passagen auf dem Gletscher verän-
dern sich immer wieder und sind oft sehr heikel. Bergschuhe, Stöcke, Steig-
eisen und ev. ein Seil sind nötig. Dank den Steigeisen überwinden wir pro-
blemlos auch steilere Passagen im Eis. Stürze auf dem aperen Gletscher ha-
ben mitunter unangenehme Folgen, da die raue gefrorene Oberfläche teils
Schürfwunden verursacht, die zu Infektionen neigen und schlecht verheilen.
Unter unseren Wanderschuhen verschwindet das Eis unter Geröll und Block-
schutt. In diesem Labyrinth von Gletscherspalten, Blockschutt und Eis führen
uns die Markierungen sicher durch diese wahrlich archaisch anmutende Land-
schaft. Unterhalb vom Gornersee führen uns die Markierungen wieder auf
festem Fels. Wir verlassen den Gletscher ziehen die Steigeisen aus, und steigen
an einer steilen rutschigen Seitenmoräne aufwärts. Der eigentliche Hüttenzu-
stieg gestaltet sich nun wieder einfach. Vorbei am Gornersee 2599 m.ü.M.
geht es zum Teil über Gletschergeschliffene Felsen aufwärts. Vorbei am Gebiet
von “Untere Plattje” erreichen wir die sensationell gelegene
Monte Rosa Hütte 2883 m.ü.M.
SAC Monte Rosa Hütte
Die schillerndste Hütte des SAC. Wer kannte sie nicht, die gute alte Monte
Rosa Hütte auf den Felsen von unterem Plattje über der orografisch rechten
Seite des Grenzgletschers. Doch schon vor längerer Zeit war das begehrte
Bergsteigerdomizil “in die Jahre” gekommen und der Ruf nach einer neuen
Hütte wurde laut. Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich entwi-
ckelte ein gewagtes Konzept: den Bau einer futuristischen neuen Monte
Rosa Hütte, knapp hundert Meter oberhalb der alten Hütte. Sechs Jahre
dauerte die Planung, davon erstellten Studenten während zweier Jahre Ent-
würfe im Rahmen von Projektarbeiten. Im Anschluss daran wurde die neue
Hütte innerhalb von zwei Sommern gebaut, entsprechend einer zeitgemässen
Hüttenbauweise aus Holz mit einer Aluminiumverschalung. Entstanden ist
ein mehrstöckiger “Bergkristall”. Ein vieleckiges Gebäude, das einer Quarz-
spitze nachempfunden und mit reflektierenden Sonnenkollektoren ausgesta-
ttet ist. Diese sind Teil eines auf Nachhaltigkeit getrimmten Ressourcensy-
stems, das überdies Wärmerückgewinnungssysteme, Wasserkreisläufe sowie
sogenannte “intelligente Haustechnik” vereint. Insgesamt ist die Hütte als
Forschungsanlage für zukünftiges, energieautarkes Bauen im Hochgebirge
ausgelegt. Was die im wahrsten Sinne des Wortes schillerndste Hütte des
Schweizer Alpen-Clubs SAC derzeit zu einem der begehrtesten Übernach-
tungsziele für Wanderer, Architekturinterresierte und Alpinisten macht
und, ganz nebenbei, zu einem fortwährenden Forschungsobjekt für die ETH
in Sachen Energie- und Gebäudetechnik. Die heutige Monte Rosa Hütte mit
120 Plätzen, die im Jahr 2009 fertig gestellt wurde, ist das Resultat eines
Gemeinschaftsprojekts der Sektion Monte Rosa, des Schweizer Alpen­ Clubs
SAC und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich).
Sie wurde mit der Unterstützung zahlreicher Gönner und Sponsoren reali-
siert und ist im Augenblick der wohl komplexeste Holzbau der Schweiz.
Beim innovativen Gebäude, das mit seiner speziellen Form und der silbernen
Aluminiumhülle an einen Bergkristall erinnert, wurden bezüglich Haustechnik
und Energiemanagement völlig neue Wege beschritten. So versorgt sich die
Hütte dank einer in die Südfassade integrierten Photovoltaikanlage sowie
thermischen Solarkollektoren zu über 90 Prozent selbst mit Energie. Das
während nur weniger Monate im Jahr anfallende Schmelzwasser wird in
einer Felskaverne gesammelt und gespeichert. Eine Mikrofilteranlage auf
bakterieller Basis reinigt die Abwässer; das Grauwasser wird für die Toilet-
tenspülung wiederverwendet. Damit die Hütte einen so hohen Energieau-
tarkiegrad erreicht, braucht es das Zusammenspiel der einzelnen Kompo-
nenten sowie ein ausgeklügeltes Energiemanagement. Eine an der ETH
Zürich entwickelte Software steuert die Haustechnik.
Nachdem wir uns beim Hüttenwart angemeldet hatten, erklärte er uns in
welchem Zimmer wir heute schlafen werden. Wir beziehen ein 8-er Zimmer.
Da die Hütte gut belegt ist, aber nicht ausgebucht, teilen wir das Zimmer
nur noch mit zwei anderen jungen Frauen. Das verspricht eine ruhige Nacht,
ohne lautes Geschnarche. Die Monte Rosa Hütte besitzt sogar Duschen!
Gerne nehmen wir dieses Angebot an, war der Aufstieg zur Hütte doch ein
bisschen schweisstreibend. Nach dem Duschen und umziehen, nehmen wir
auf der grossen Hüttenterrasse platz und geniessen die traumhafte Aussicht.
Nur wer schon einmal hier oben gewesen ist, kann mitfühlen wie es einem
geht, wenn man bei einem Walliser Weisswein das Panorama geniessen kann.
Hinter uns die Dufourspitze und das Monte Rosa. Dann kommt der Liskamm
und die Zwillinge Castor und Pollux. Weiter geht es zum Breithorn, Klein
Matterhorn um zu seiner Majestät persönlich, das Matterhorn, zu gelangen.
Über die Dent Blanche geht es danach zum Ober Gabelhorn. Und das sind nur
die bekanntesten Berggipfel die man von der Hütte aus bestaunen kann. Im
sehr schönem Ess- und Aufenthaltsraum genniessen wir danach das Nacht-
essen und das Zusammensein mit anderen Wanderer und Bergsteiger. Immer
wieder schaut man gebannt durch die riesigen Panoramafenster.

Die Monte Rosa Hütte befindet
sich im Hochgebirge und ist
keine reine Wanderhütte.
Anspruchsvolle
Alpinwanderung, die über
den Gornergletscher führt.
In aperen Zustand ist dieser
in der Regel unproblematisch,
Es braucht aber trotz
Markierung Routenfindungs-
geschick in den Spaltenzonen.
Steigeisen sind für die
Gletscherpassage von Vorteil.
Eine lange Leiter erfordert
Schwindelfreiheit.
Nur für erfahrene
Bergwanderer geeignet.

Tourenblatt mit Wanderkarte und Höhenprofil
Link zu den anderen Wanderungen
Für die ganze Strecke benötigten wir ca. 3 1/2 Std. 6,8 km
ca.660m Aufstieg
ca.560m Abstieg
3125m höchster Punkt
2520m tiefster Punkt

2.9.16
Tag II
Nach einer ruhigen Nacht, in der wir gut geschlafen haben, gehen wir im
Essraum und nehmen das Frühstück zu uns. Nach dem Packen der Ruck-
säcke verabschieden wir uns von den zwei jungen Frauen und verlassen
die Hütte. Der Rückweg erfolgt auf der Aufstiegsroute. Wir durchschreiten
den Gletscher durchqueren über die “Brücke” die kleine Schlucht, steigen
die Eisenleiter hoch, und wandern danach auf gutem Wanderweg Richtung
Weggabelung Punkt 2695 m.ü.M. Am Vortag sind wir ja vom Gornergrat
hier hinunter gewandert. Unser heutiges Tagesziel ist nicht der Gornergrat,
sondern Riffelberg. Auf nun breitem und gut begehbaren Höhenweg wan-
dern wir nun leicht ansteigend Talauswärts. Links von uns der Gornergle-
tscher in leuchtendem Weiss. Rechts von uns die steile Südflanke des Gor-
nergrats. Vorbei an den steilen Berghänge von Usser Gornerli, erreichen
wir das Felsbändchen der Stiermur. Über mehrere Kilometer führt uns
dieser traumhaft schöne Höhenweg durch diese alpine Landschaft. Wir
passieren die Chinischlucht 2805 m.ü.M. und erreichen danach die Weg-
gabelung bei Punkt 2775 m.ü.M. Hier kann man rechts abbiegen und zur
Station Rotenboden der Gornergratbahn laufen. Wir wandern aber gera-
deaus und erreichen kurze Zeit später der Riffelsee 2757 m.ü.M. Der See
ist weltbekannt, da sich in seinem Wasser das Matterhorn spiegelt und
Tausende von Touristen ihn fotografieren. Das war auch bei uns der Fall.
Ganze Karawanen strömten aus dem Zug, der gerade angekommen war,
und fotografierten den See, wie wir auch. Die Werbung in den Hochglanz-
prospekten hält in diesem Falle das Versprechen. Eine traumhafte Gegend.
Vorbei am Riffelsee geht es über einen weiterhin breiten und einfachen
Wanderweg über die Wegkreuzung 2683 m.ü.M. leicht abwärts, zu unse-
rem Tagesziel Riffelberg 2582 m.ü.M. Auf der grossen Terrasse des
Restaurant geniessen wir einen Kaffee und die sensationelle Aussicht
auf das Matterhorn.
Riffelberg
Schweren Herzens verlassen wir diese traumhafte Landschaft und steigen
in die Zahnradbahn der Gornergratbahn, die uns über eine schöne Zugfahrt
hinunter nach Zermatt bringt.

Rückweg zur Riffelalp auf
breitem Pfad, mit einer
grossartigen Aussicht auf
die Gletscherwelt und die
unzähligen Viertausender.
Höhepunkt am Schluss
der Riffelsee.

Tourenblatt mit Wanderkarte und Höhenprofil
Link zu den anderen Wanderungen
Für die ganze Strecke benötigten wir ca. 3 3/4 Std. 8,6 km
ca.380m Aufstieg
ca.690m Abstieg
2883m höchster Punkt
2520m tiefster Punkt

Über einen Eintrag in unserem Gästebuch
Link zum Gästebuch
würden wir uns freuen

Manuela & Franco



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