Wallis - Geschrieben am Mittwoch, August 15, 2018 19:29 von Franco - 0 Kommentare

Bergwanderung Fäld – Geisspfadsee – Mässersee – Fäld – Binn

15.8.18

Alle Fotos zu dieser Tour unter diesem Link ersichtlich:
Bergwanderung Fäld – Geisspfadsee – Mässersee – Fäld – Binn

Mit dem Auto sind wir über das Oberwallis nach Ernen,
und danach weiter ins Binntal gefahren.
Das Binntal versteckt sich gut vor dem Rest der Welt. Man kann zehnmal mit der
Bahn oder mit dem Auto durchs Goms fahren, ohne seine Existenz auch nur zu
vermuten.
Über die Kurvenreiche Strasse erreichen wir den Tunnel der das Binntal mit dem
restlichen Wallis verbindet.
Um der Abgeschiedenheit und Abgeschlossenheit im Winter ein Ende zu bereiten,
hat sich die Gemeinde 1962 entschlossen, einen Tunnel zu bauen, welcher dann
1964/65 fahrbereit war und Binn so auch ganzjährig erreichbar wurde. Diese
Investition hat sich sicher gelohnt, trotz den hohen Kosten, welche die Gemeinde
übernehmen musste. Wenn dieser Schritt damals nicht gewagt worden wäre,
müsste Binn nicht erst heute um das Überleben kämpfen, dann hätte die
Abwanderung schon in den sechziger Jahren verstärkt eingesetzt.
Lang ist der Tunnel, der den Oberwalliser Weiler Binn mit der Aussenwelt verbin-
det. Lang und eng. Und ebenso eng scheint das Tal zu sein, das sich weiter nach
Osten hinzieht bis zum Fäld und sich dann in zwei Arme teilt: in das Tal der Binna
und in jenes der Mässer Binna. Beide führen zu Pässen, die noch bis in die heutigen
Tage von Wanderer und Strahler begangen werden.
Schon von weitem ist die vierhundert Jahre alte Steinbrücke und die Antoniuskapelle
zu sehen als wir Binn 1400 m.ü.M. erreichen. Auch das Ofenhorn, eines der ältesten
Gommer Hotels, ist im Ensemble der dunklen Holzhäuser nicht zu übersehen. Beim
grossen Parkplatz direkt an der Binna parkieren wir das Auto und schlendern danach
durch das schöne Binn.
Spätestens auf dem Dorfplatz wird uns bewusst, dass das Tal vor allem für seine
Kristalle und seinen Mineralienreichtum berühmt ist. Das Binntal war schon sehr
früh bekannt geworden durch die Strahlerei (Mineraliensuche), sind doch sehr
viele Erstfunde im Binntal gemacht und auch publiziert worden. Die berühmte
Grube von Lengenbach wurde um 1730 von Engländern gegraben, um das Pyrit -
ein schwefelhaltiges Eisenerz, im Volksmund Katzengold genannt – zu erkunden.
Die Forscher mussten das Binntal jedoch bald fluchtartig verlassen, weil sie als
Nicht-Katholiken den Einheimischen nicht geheuer waren. Zu Beginn des 19. Jhr.
gab es dann aber kein Halten mehr: Aus der ganzen Welt reisten Strahler ins
Binntal und entdeckten über 100 Arten von Mineralien, darunter einige von Welt-
exklusivität. 1964 hat sich die Gemeinde entschlossen, einen Teil ihres Gebietes
unter Naturschutz zu stellen. Warum wohl haben sich die Binner zu diesem Schritt
entschlossen? Sicher waren es die schlechten Beispiele von andern Orten, ein über-
bordender Tourismus und eine Verödung und Vergandung von Tälern durch die
totale Ausnutzung der Wasserkräfte. Dank diesem nicht alltäglichen Entscheid
präsentiert sich das Binntal heute so wie es nun ist, als eine einigermassen noch
intakte Landschaft, Strom und Telefon verkabelt, keine Seilbahnen etc., jährlich
von vielen Touristen besucht und bewundert. Der Wintertourismus hat hier noch
nicht Einzug gehalten. In den wunderschönen Dörfern, sind keine Zweitwohnsitze
aus dem Boden geschossen wie in einigen anderen Walliser Bergorten. Das Binntal
ist heute so beliebt wie ehedem. Weil es eben anders ist.
Landschaftspark Binntal
Wir müssen nicht lange warten und schon erscheint das Postauto das uns weiter ins
Binntal hinein nach Fäld 1519 m.ü.M. fährt. Vom Parkplatz in Fäld wo wir aus dem
Postauto aussteigen, laufen wir danach auf der Fahrstrasse Richtung Osten. Nicht
weit hinter Fäld, erreichen wir Punkt 1544 m.ü.M. Hier zweigt der Wanderweg von
der Fahrstrasse nach rechts ab und klettert durch einen schönen, aber steilen Wald
mit Lärchen und Fichten, von denen lange Flechtenbärte herunterhängen. Steil
führt uns der Waldweg aufwärts Richtung Mässerchäller. Bei Punkt 1713 m.ü.M.
folgen wir kurz den Fahrweg Richtung Westen um danach beim Wegweiser links
abbiegend wieder auf den Waldweg zu wechseln. Alles weiter durch den Wald errei-
chen wir die Alp Mässerchäller 1879 m.ü.M. und kurz danach eine Wegkreuzung
1885 m.ü.M. Hier biegen wir links ab Richtung Maniboden. Von der Wegkreuzung
geht es genau nach Süden durch den offenen Lärchenwald der Mässeralp. Vorbei an
Punkt 1950 m.ü.M. auf ebener Strecke, wandern wir weiter bis zur Ruine von Schäre
1979 m.ü.M. Wir biegen links ab und wandern auf Wegspuren durch Stauden und
Unterholz an alten Ställen vorbei zur Weggabelung Punkt 2004 m.ü.M. Der links
abbiegende Wanderweg zum Mässersee beachten wir nicht, und erreichen kurz da-
nach den Maniboden 2000 m.ü.M. Hier ist wieder Raum zum Atmen, zum Verwei-
len und zum Steinsuchen. Der Maniboden am Fuss des Schwarzhorn, ist eine kleine
besonders reizvolle Ebene übersät mit grossen Felsbrocken, durchzogen von einem
frei mäandrierenden Flüsschen und durchsetzt mit vereinzelten Lärchen. Wir
durchqueren die Ebene und steigen danach steil über grüne Matten zur Weggabe-
lung Punkt 2147 m.ü.M. hinauf. Von links stösst der Wanderweg vom Mässersee
hinzu. Wir biegen rechts ab und wandern über Schotter Richtung Ostsüdosten.
Der steile durch eine Geröllhalde aus schiefrigen Platten führende Bergweg führt
uns am Fuss einer Felswand entlang 2271 m.ü.M. weiter aufwärts. Ist der letzte
Aufstieg durch einen kleinen Einschnitt zwischen zwei Felsnasen bezwungen
2456 m.ü.M., hat man die gewöhnliche Welt endgültig hinter sich gelassen. Hier
betritt man eine fantastisch anmutende Landschaft aus Felsköpfen, Steinfeldern
und versteckten Bergseen, eine karge, schroffe, abgelegene Ecke der Schweiz.
Noch nie haben wir so viel Wollgras gesehen. Die kleine grüne Ebene ist übersät
vom Wollgras. Von weitem könnte man meinen es sei Schnee. Vor uns taucht der
tiefblaue Geisspfadsee auf 2439 m.ü.M. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sind wir
der Überzeugung das sich der Aufstieg gelohnt hat. So ein traumhaft gelegener,
natürlich belassener Bergsee sieht man nicht mehr so oft. Ohne Zweifel einer der
schönsten Seen im Wallis, wenn nicht der ganzen Schweiz. Wir sind den Bewohnern
des Binntals dankbar. Dankbar für das Geschenk, dass sie uns machen, indem sie
dieses Gebiet erhalten. Rund um den Geisspfadsee haben sich zahlreiche Felszacken
zu einem wilden Grat versammelt und ragen wie Speere in den blauen Himmel.
Im Westen, beim Rothorn, bilden grob gehobelte und ausgebrochene Felsen eine
fast bedrohlich wirkende Kulisse. Vom Geisspfadsee hat man die Möglichkeit,
einen Abstecher zum Geisspfadpass zu machen wo die Italienische Grenze verläuft.
Schnell und problemlos erreichen wir den Geisspfadpass 2473 m.ü.M. Mit einem
Fuss stehen wir im Wallis, mit dem anderen in der italienischen Region Piemont.
Zurück beim See, legen wir die Mittagspause ein. Mit einem weinendem Auge ver-
lassen wir nach der Pause dieser traumhaft gelegene Bergsee. Auf demselben Weg
wie wir aufgestiegen sind, geht es nun wieder abwärts, bis wir wieder die Weggabe-
lung bei Punkt 2147 m.ü.M. erreichen. Wir wandern über den Bergrücken geradeaus
weiter und schauen schon nach kurzer Zeit auf den Mässersee hinunter. Über einen
einfachen markierten Bergweg erreichen wir danach den Mässersee 2130 m.ü.M.
Er entspricht ganz dem Bild des idyllischen Bergsees, gesäumt von einigen Bäumen,
mit einer kleinen Alphütte, bewacht vom dunklen Felsmassiv des Schwarzhorns und
mit Ausblick auf die vergletscherten Viertausender im Aletschgebiet. Baden kann
man allerdings nicht im See, weil es wegen dem Vorkommen geschützter Pflanzen
nicht erlaubt ist. Wir umgehen den See rechts und steigen weiter abwärts wandernd,
zum hübschen kleinen Plateau von Maniboden 2000 m.ü.M. hinunter. Vorbei an
der Ruine von Schäre 1979 m.ü.M. steigen wir nun nach Norden durch einen schö-
nen Lärchenwald -links von uns der Mässerbach- hinunter, zur Mineraliengrube
von Lengenbach, und weiter bis zur Strasse 1653 m.ü.M. die von Fäld kommt. In
der Lengenbach Mineraliengrube -mit seinem schneeweissen, feinkörnigen Dolomit-
verstecken sich vor allem blei-, arsen- und titanhaltige Sulfosalz-Mineralien. Über
zwanzig Mineralienarten wurden seit der Anlegung der Mine 1731 weltweit allein
hier gefunden. Die meisten dieser Mineralien sind allerding mikroskopisch klein.
Auf der Strasse bleibend geht es nun über Figgerscha 1600 m.ü.M. zurück nach
Fäld, die Strecke kann durch einen Wanderweg abgekürzt werden. Leicht aufstei-
gend, erreichen wir über die Strasse Fäld 1547 m.ü.M. das mit seinem sehr geschlo-
ssenen Dorfbild traditioneller Walliser Holzhäuser einer Bilderbuchidylle gleich-
kommt. Bereits vor zirka 2400 Jahren begann sich das Binntal zu bevölkern, dies
bezeugen viele Gräberfunde, welche zum Teil auch im Museum ausgestellt sind.
Früh wurde die sehr günstige Verbindungsachse Oberwallis-Binntal-Italien erkannt.
Die Binner verfügten, dass kein Talgut an Auswärtige verkauft oder verpfändet
werden durfte. Der Kampf der Binner galt aber nicht nur der Erreichung grösstmö-
glicher Unabhängigkeit, sondern auch den Naturgewalten. Immer wieder wurde
fruchtbares Land, aber auch Heimstätten und Ställe von Lawinen (1888,1932,1951
und 1999) und Überschwemmungen (1834) heimgesucht. Dies war schon immer
so, soweit es aus den Chroniken ersichtlich ist, bis zur heutigen Zeit. Die Geschichte
des Binntales zeigt die harten Lebensbedingungen einer kleinen Zahl Menschen
auf, die seit eh und je in der Abgeschiedenheit einer rauen Bergwelt um Freiheit
und Existenz rang.
Auf gleichbleibender Höhe wandern wir nun -die Binna immer links von uns- tal-
auswärts. Mit wunderschönen Ausblicken erreichen wir Holzerhüschere 1475 m.ü.M.
Das Binntal ist kein dramatisch-hochalpines, spektakuläres Alpental, aber mit
seiner harmonischen Mischung aus Kulturlandschaft und unverbrauchter Natur
wächst es jedem Besucher und jeder Besucherin sofort ans Herz. Ohne vom Schep-
pern von Luftseilbahnen und dem Rauschen einer Durchgangsstrasse gestört zu
werden, kann man hier in aller Ruhe ein stilles Bergtal geniessen, und man fühlt
sich leicht in eine beschaulichere, langsamere Zeit zurückversetzt.
Bei Punkt 1469 m.ü.M. erreichen wir eine Alpstrasse die uns zur Haupttrasse
1422 m.ü.M. hinunterbringt. Ein kleines Stück der Haupttrasse entlang und wir
erreichen den Parkplatz wo unser Auto auf uns wartet. Nach einer kurzen Auto-
fahrt erreichen wir danach das Hotel Tenne in Gluringen.
Hotel Tenne
In diesem Hotel haben wir danach diverse Nächte übernachtet. Empfehlenswertes
Hotel, schöne Zimmer, für unsere folgende Wanderungen sehr gut gelegen. Wir
beziehen das schöne Hotelzimmer und geniessen danach auf der Terrasse des
Restaurant einen kühlen Weisswein der Region und die untergehende Sonne.
Gut haben wir im hoteleigenen Restaurant gegessen.

Eines der wunderschönen
Wanderungen im Binntal,
auf der man zauberhafte
Seen entdecken kann.
Prächtige Fernsicht auf
die Berner Alpen.
Wanderung auf gut
markierten Bergwege.
Steiles Schotterfeld muss
überwunden werden.
Ganze Wanderung nicht
ausgesetzt.

Tourenblatt mit Wanderkarte und Höhenprofil
Link zu den anderen Wanderungen
Für die ganze Strecke benötigten wir ca. 6 Std. 16 km
ca.1220m Aufstieg
ca.1320m Abstieg
2474m höchster Punkt
1519m tiefster Punkt

Über einen Eintrag in unserem Gästebuch
Link zum Gästebuch
würden wir uns freuen

Manuela & Franco



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