Wallis - Geschrieben am Samstag, August 27, 2016 20:06 von Franco - 0 Kommentare

Bergwanderung Topalihütte – Randa

27.8.16

Alle Fotos zu dieser Tour unter diesem Link ersichtlich:
Bergwanderung Topalihütte – Randa

Als wir gestern ins Bett geschlüpft sind, konnten wir noch einen grandiosen Sternen-
himmel bestaunen. Die traumhafte Lage der Topalihütte zeigt sich nicht nur beim
Erstrahlen des Abendrots, sondern auch am morgen früh, wenn die Felswände der
Barr- und Stellihörner und die Firne des Brunegghorns in farbiges Morgenlicht ge-
taucht sind. Im sehr schönem Essraum nehmen wir das Frühstück zu uns und plau-
dern mit dem Paar das wir gestern kennengelernt haben. Nach dem packen der Ruck-
säcke verabschieden wir uns vom Hüttenwart/inn, vom netten Paar, und von allen
anderen anwesenden. Wir schultern unsere Rucksäcke und verlassen die traumhaft
gelegene Topalihütte 2674 m.u.M.
SAC Topalihütte
Die Hoch- und Tiefblicke sind auch auf der weiteren Etappe dieser Tour das beher-
rschende Thema. Am zweiten Tag dominieren das vergletscherte Brunegghorn im
Süden, das Schöllihorn in der Mitte und das Innere Barrhorn den eindrücklichen
Felskessel des Tällis unterhalb des Schölligletschers. Besonders faszinierend ist der
Blick auf die gegenüberliegende Talseite das vom Mischabelmassiv dominiert wird.
Neben zahlreichen weiteren Viertausendern ist der Dom mit 4545 Metern nicht nur
die höchste Erhebung dieser Gebirgskette, sondern auch der höchste ganz in der
Schweiz liegende Gipfel überhaupt. Und als weiterer Viertausender erkennt man -
am zweiten Tag zwar noch weit hinten im Tal – das Breithorn, ein einfach zu bestei-
gender Vertreter seiner Klasse, während das benachbarte Kleine Matterhorn die
Viertausendergrenze knapp verpasst hat. Diesseits des Tals gleissen unterdessen
die Schneeflanken des Weisshorn im Morgenlicht.
Der so traumhaft eingeläutete Bergtag führt gen Süden Richtung Chella. Beim
Abzweig auf 2710 m.ü.M. biegen wir links ab und laufen leicht abwärts in den
Grund des Kars. Mit etwas Auf und Ab quer durch das Couloir Chella und der
elsdurchsetzten Nordflanke (stellenweise Sicherung durch Ketten), um danach
auf den Absatz des Abberg 2645 m.ü.M. zu gelangen. Geschickt schmiegt sich
der niemals grosszügige, aber immer passable Pfad an die Flanken. Dass eine
kleine Felsstufe mal per Eisenleiter überlistet wird, ist dabei kaum der Rede wert,
zeugt jedoch abermals von der vorbildlichen Betreuung der Route. Auch einige
Brücken haben die Erbauer den Wanderern spendiert, um den einen oder ande-
ren Graben als Hindernis zu bändigen. Der Weg führt eben an den südlichen
Rand dieser kleinen Fläche und zieht nach einer Leiter, dann mit schönen Bli-
cken zum Brunegghorn, in das gewaltige Schuttkar des Tälli unter dem Abberg-
gletscher. Der Abfluss im breiten Talboden wird auf einem Steg überquert, dann
leitet der Weg südseitig aus dem Kar hinaus und erreicht die grasbewachsene
Steilflanke im Osten des Schwarzhorn, dem äussersten Ausläufer des Bruneg-
ghorn-Nordostgrates. Hier zwingt der mächtige Gratausläufer des Brunegghorns
den Weg in die Tiefe. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ist ab hier für weite
Strecke nun unbedingt erforderlich, schmale und ausgesetzte Wegabschnitte,
teilweise durch steile begraste Flanken müssen durchschritten werden. In eini-
gen Serpentinen bringt uns der Steig in diesem Steilgelände abwärts, führt durch
zwei kleinere Rinnen und dann in den scharf eingeschnittenen Felsgraben des
Holzzügji, auf einen jener Tobel, durch die das Gletscherwasser talwärts rauscht.
Was freilich vor allem im Fokus steht, ist das Panorama der gegenüberliegenden
Talseite, gekrönt von der Mischabel. Ihr zentraler Teil formiert sich mit dem von
links ansteigenden Nadelgrat, dem Kulminationspunkt am Dom und dem nicht
weniger imposanten Täschhorn zur Rechten – eine Westalpenszenerie par excel-
lence, die einfach jeden in Bann zieht. Das liegt natürlich nicht nur in der abso-
luten Höhe begründet (die in der Schweiz nur noch vom Monte Rosa übertroffen
wird). Imposant wild zeigt sich die Gegend hier auch mit den zerrissenen Gletsch-
erlappen, die bis auf halber Höhe gegen das Mattertal herunterstossen.
Der reissende Bach wird auf einer Brücke überquert, von dort geht es zu einem
Wiesenabsatz hinaus 2265 m.ü.M. Hier haben wir eine schöne Sicht in die be-
eindruckende Steilflanke unseres Abstiegs und auf den Weiterweg. Am oberen
Rand des gewaltigen Guggigrabens 2227 m.ü.M. führt der Höhenweg in Grund-
richtung Süd nun wieder leicht aufwärts mit nur kleineren Zwischenabstiegen
durch die von Felsen durchbrochene steile Flanke 2232 m.ü.M. des Guggiberges
2235 m.ü.M. bis in den nächsten Graben, dem Rosszügji. Auf der anderen Seite
geht es dann das letzte Stück über die grasbewachsene Flanke zum Absatz des
Längenflueberg 2410 m.ü.M. hinauf.
Ein traumhaft schöner Rastplatz, tausend Meter über unserem Tagesziel und mit
Blick auf den wildzerrissenen Bisgletscher und der Nordostflanke des Weisshorn,
nochmals 2000 Meter über unseren Köpfen! Auf dem Höhenweg nach Randa
kann man sich an einigen Orten dann einen Tiefblick ganz hinunter ins Mattertal
erheischen, wo man Bahnlinie und Strasse sich durch das enge Tal hinaufschlän-
geln sieht. Hier oben aber ist man weit weg von aller Zivilisation und trifft besten-
falls auf ein paar Geissen, die sich auf kleinen Weiden zwischen den Felswänden
tummeln.
So imponierend der Anblick der Bergriesen auch ist, bergen sie doch auch ihre
Gefahren. So donnerten 1991 zweimal riesige Felsmassen (33 Millionen Kubikmeter)
beim Dorf Randa zu Tal. Es war Glück im Unglück, dass bei diesen zwei Bergstürzen
keine Personen zu Schaden kamen. Einige Ställe und Landwirtschaftsland gingen
aber verloren. Die Bahnlinie und die Strassenverbindung nach Zermatt wurden
unterbrochen, und der Fluss Vispa wurde zugeschüttet und zu einem See aufgestaut.
In der Folge mussten vorübergehend riesige Pumpen installiert werden, um das
Niveau dieses Sees in kurzer Frist wiederum absenken zu können. Langfristig wurde
ein Umleitungsstollen gebaut, um die Überschwemmung des Talbodens zu verhindern.
Der Schuttablagerungskegel ist nach wie vor gut zu erkennen, aber an den neu darin
wachsenden Lärchen lässt sich erkennen, wie die Vegetation bereits wiederkehrt und
Oberhand gewinnt. Das Weisshorn mit seinen Eisbrüchen setzt sich immer mehr in
Szene. Ein Bild von einem Berg - überwältigend sowohl in seiner Grösse als auch in
der erhabenen Wildheit! Wie gern möchte man an diesem stillen Fleck stundenlang
verweilen und einfach nur Schauen und Staunen … So bleibt am Ende die Erkenntnis,
dass der Topali-Weisshorn- Höhenweg zwar weder den Bekanntheitsgrad noch die
Frequentierung des Europaweges auf der anderen Seite des Mattertals besitzt. Doch
das will nichts heissen. Schliesslich ist das Unterwegssein über dem tiefsten Talein-
schnitt der Alpen, zwischen den Viertausendern der Mischabelgruppe und der Weiss-
hornkette, hüben wie drüben gleichermassen spannend und inspirierend.
Über die Steilwiesenflanke führt unser Abstieg in weiten Kehren hinunter: Nach einer
kurzen Querung zu einem Seitengraben geht es in vielen kurzen Serpentinen zum Bis-
bach, den Abfluss des Bisgletschers hoch über uns. Es folgt ein zwischenzeitlich fast
lieblicher Abschnitt über Wiesengelände nahe dieses Wildbaches. Vorbei an Punkt
1731 m.ü.M. geht es fast endlos über vielen Kehren weiter abwärts. Bei einem Schot-
terwerk erreichen wir den Talgrund, überqueren über eine grosse Brücke die Matter-
vispa und erreichen kurz danach den Bahnhof von Randa 1407 m.ü.M. Mit dem Zug
fahren wir danach nach St.Niklaus zu unserem Auto zurück.

Anspruchsvoller Bergweg,
der Erfahrung und
Trittsicherheit unbedingt
erfordert.
Schmale und ausgesetzte
Wegabschnitte,
teilweise durch steile
begraste Flanken.
Gut Ausgeschildert und
Markiert.
Mit dem
Topali-Weisshorn-Höhenweg
finden ambitionierte
Alpinwanderer ein
absolutes Glanzstück.

Tourenblatt mit Wanderkarte und Höhenprofil
Link zu den anderen Wanderungen
Für die ganze Strecke benötigten wir ca. 4 1/4 Std. 12 km
ca.610m Aufstieg
ca.1870m Abstieg
2725m höchster Punkt
1400m tiefster Punkt

Über einen Eintrag in unserem Gästebuch
Link zum Gästebuch
würden wir uns freuen

Manuela & Franco



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